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Usinger Blickpunkte

Der Hessische Kultusminister Prof. Dr. Alexander Lorz im Gespräch
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Moderator Meinhard Schmidt-Degenhard im Gespräch mit dem Hessischen Kultusminister Prof. Dr. Alexander Lorz © KEB Hochtaunus

Planbarkeit ist in diesen Tagen schwierig. Darunter ächzen vor allem Eltern, die den Spagat zwischen geschlossenen Schulen und eigener Berufstätigkeit schaffen müssen. Sicher ist: sie können sich darauf einstellen, dass die Kinder auch nach dem Ende des derzeitigen Lockdowns am 14.2. noch lange nicht in den „normalen“ Präsenzunterricht an die Schulen zurückkehren. Das sagte einer, der es wissen muss bei der Online-Gesprächsrunde „Usinger Blickpunkte“: Prof. Dr. Alexander Lorz, Hessischer Kultusminister. Er war zu Gast zum Thema: „BILDUNG – wie geht’s weiter?“

Die Veranstaltungsreihe ist eine Kooperation der Katholischen Erwachsenenbildung Hochtaunus (KEB), der Stadt Usingen, der Projektgruppe Usinger Blickpunkte und des Lions Club Usingen-Saalburg.

Wir betreiben derzeit Notfallmanagement.

Prof. Dr. Alexander Lorz, Hessischer Kultusminister

Gleich eingangs räumte der Politiker im Gespräch mit Meinhard Schmidt-Degenhard ein, dass alles, was das Kultusministerium derzeit tut, Notfallmanagement ist. Niemand habe sich vor der Pandemie vorstellen können, dass unsere Schulen jemals so lange geschlossen sein werden. Alle Pläne, die es vor COVID-19 hinsichtlich der Digitalisierung des Lernens gegeben habe, seien immer von normalem Präsenzunterricht ausgegangen. Der Distanzunterricht war zuvor keinerlei Option. Es sei auch zu bedenken, dass dem Distanzunterricht völlig neue pädagogische Konzepte zugrunde gelegt werden müssen – es gehe eben nicht um die bloße Übertragung des analogen Lernens ins digitale. Diese Konzepte müssen erst entwickelt werden. Künftige Lehrer müsse man auch dahingehend ausbilden, Distanzunterricht geben zu können.

Mittlerweile habe man auch selbst reichlich dazu gelernt, sagte der Kultusminister. Es sei viel entwickelt worden, von stets aktualisierten Hygieneplänen über Handreichungen zum Distanzunterricht bis hin zu digitaler Ausstattung – aber all das könne nichts daran ändern, dass die Schülerinnen und Schüler im Lockdown zu Hause sind. Ganz gleich, wie gut sie dabei technisch ausgestattet sind, könne Schule auf Distanz niemals das leisten, was Schule in Präsenz leistet. „Schulen bieten ja viel mehr als nur Stoffvermittlung“, betonte Lorz. „Schule ist auch ein Ort der sozialen Interaktion, sie ist ein Lebensraum, sie lebt vom Kontakt der Schüler untereinander und mit den Lehrkräften.“ Das könne man auch bei noch so guter digitaler Ausrüstung niemals im Distanzunterricht abbilden. Reine Wissensvermittlung sei vergleichsweise leicht, auch im digitalen Raum, aber die Vermittlung von Kompetenzen und Werten sei nur im Miteinander möglich. Daher sei der Auftrag von Schule im Zuge der Pandemie deutlich verkürzt. Dass Schule nun wieder zurückgeworfen werde auf die reine Wissensvermittlung, sei eine der schlimmsten Begleiterscheinungen des Lockdowns.

Lorz hofft, dass mit den Anstrengungen des „Homeschoolings“ nun auch der gesellschaftliche Stellenwert der Lehrenden wieder steige. In anderen europäischen Ländern sei der Lehrerberuf sehr angesehen, hier bei uns doch eher nicht. Vielleicht wachse mit dem Unterricht zu Hause auch wieder der Respekt vor dem, was von Lehrenden geleistet wird. Dem Einwand eines Zuschauers, der in der Chatfunktion des Online-Gesprächs bemängelte, Lehrer seien hierzulande zu schlecht bezahlt, konnte der Kultusminister nicht beipflichten. Schließlich sei ein Einstiegsgehalt von knapp 60.000 Euro pro Jahr im europäischen Vergleich kaum zu toppen. Der von einem weiteren Zuschauer eingebrachten Forderung nach einer Bonuszahlung für derzeit besonders geforderte Lehrer erteilte der Politiker ebenfalls eine Absage.

Mit Blick auf die Zeit nach der Pandemie brachte er Feriencamps ins Spiel, also Förderkurse, die idealerweise in den Osterferien, sicher aber in den Sommerferien, Schülerinnen und Schülern offen stehen, um versäumtes Wissen nachzuarbeiten. Hierzu werde man Referendare, pädagogisch Qualifizierte oder auch Lehrer einsetzen, die freiwillig und gegen Bezahlung in den Ferien mit Interessierten pauken.

„Wir sind uns darüber im Klaren – das hat die Pandemie auch offen gelegt – wir sind insgesamt in der Gesellschaft in der Digitalisierung deutlich hinter anderen Ländern zurück“, gestand Lorz und versprach weiter „wir sind aber gerade dabei, ordentlich aufzuholen!“. Beispielsweise laufe das Hessische Schulportal seit Ende der Weihnachtsferien mit über 100.000 Nutzern am Tag störungsfrei.

Alexander Lorz ist seit sieben Jahren Hessischer Kultusminister. Die ersten sechs Jahre seien nicht annähernd so herausfordernd gewesen wie das siebte, vergangene Jahr, gestand er. Das können Schüler und Schülerinnen, Eltern und auch Lehrende sicher genauso unterschreiben. (ak)

Bei der kommenden Online-Gesprächsrunde der Usinger Blickpunkte ist am 23. März 2021 um 18:00 Uhr die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan zu Gast. Auch dann geht es wieder um Bildung.

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